Für viele Mädchen und auch ein paar wenige Jungs
natürlich ,ist es ein langgehegter Traum, ein eigenes Pferd zu haben, oder wenn das nicht möglich ist ein Leben lang darauf hin zu arbeiten.
Und so verbringen etliche Kinder Stunden, Tage
wenn nicht sogar Wochen bei den Pferden.
Egal bei welcher Wetterlage, egal
in welcher Verfassung und egal mit welch
noch so kläglich erscheinendem Transportmittel, der Weg zum Pferd ist nicht nur selbstverständlich sondern scheint sogar notwendig.
Es wird gemistet und geschuftet, Eimer voll Wassers geschleppt und bei der Heuernte geholfen in der Hoffnung, darauf auch mal die Pferde streicheln, putzen und versorgen zu dürfen.
Die Eltern werden bekniet, warum man denn nicht ein eigenes Pferd haben kann. Manche haben Glück andere weniger. Derjenige, dessen Klagen erhört wurden und ein eigenes Pferd bekommt, fängt an zu
schuften, denn ein eigenes Pferd bringt Konsequenzen und Verpflichtungen mit sich. Der, der kein eigenes Pferd hat, schuftet ebenso in der Hoffnung, wenigstens darauf hinzuarbeiten oder aber
eines, um dessen Wohl man sich stetig bemüht, so gut wie sein eigen nennen zu können.
Ob man nun tatsächlich schon reitet oder gar nur putzt und mistet, der Suchtfaktor "Pferd" hat voll eingeschlagen und es gibt kein anderes Thema mehr für die Betroffenen.
Mädchen sagt man in diesem Falle nach, dass sie sich in einer psychologischen Entwicklungsphase befinden, in der sie sich kümmern wollen, ihre mütterlichen Gefühle ausleben lernen, eine Art
Abnabelung vom heimatlichen Kinderzimmer, Jungs hingegen spricht man da eher eine Rolle des Beherrschen Wollens und Eroberns zu.
Für viele allerdings bleibt diese "Phase" ein Leben lang.
Das Pferd wird für die Meisten zum Lebensabschnittsgefährten, wenn nicht sogar zum Lebensabschnitt.
Denn Pferde sind nicht nur gutmütige Lebewesen, die einen durch den Wald tragen, sie sind viel mehr als das.
Dieser Lebensabschnitt wird meist durch ein bestimmtes, meist das erste Pferd oder Pony verkörpert.
Denn gemeinsam mit ihm erleben wir Scheidungen, Verluste in der Familie, geschwisterliche Streitigkeiten oder auch später die eigenen ersten Trennungen, Liebeskummer aber natürlich auch
Glücksmomente. All das teilen wir mit unseren vierbeinigen Freunden. Denn sie hören zu ohne zu urteilen und schenken uns Ihre Sanftmut.
Wir spielen Cowboy und Indianer mit Ihnen, bauen Unfälle,erobern die Wälder zu allen Jahreszeiten.
Wir erleben durch und mit Ihnen die Bedeutung von Anerkennung, Niederlage und Teamgeist.
Mit ihm bin ich
gemeinsam groß geworden. Er war 4 und ich war acht als wir uns trafen.
Er war mein "echtes" Pferd beim Cowboy und Indianerspielen, stand Stunden lang am Halfter neben mir wenn ich mit meiner Indianerfreundin am imaginären Lagerfeuer sass und Schachtelhalme
ineinander verwob. Ohne Sattel und Trense musste er im gestreckten Galopp mit uns auf die "Flucht" wenn Cowboys in der Nähe schienen. Und das ganze Tage oder gar Schulferien lang.
Wenn wir aufs Turnier gingen bekam er immer einen besonderen Blumenschmuck in die Trense gesteckt, den er kommentarlos ertrug oder aber mit einem eigens ausgesuchten langen Grashalm in seinem
Maul ergänzte.
Egal was es gab an Sorgen, Krummi war mein Ansprechpartner und Trostmittel für alles .Egal ob ich ihm weinend erzählte, dass ich nicht weiter weiss, weil es zu Hause wegen irgendetwas Streit gab
oder ich ihm meinen Liebeskummer bis hinzu Sorgen über meine Bewerbung zum Schauspielstudium klagte,er liess mich immer meine Arme um seinen Hals schwingen und die Nase tief in seiner Mähne
vergraben. Nach einem kräftigem Atemzug vom meiner Meinung nach einzigartigen Krummi- Geruch sah die Welt meist schon wieder viel besser aus.
Und wenn das nicht half, dann nahm er mich auf seinen Rücken und zeigte mir beim Ausritt wie schön die Welt doch war ,und dass einzig und allein das hier und jetzt zählte.
Er zeigte mir wie wichtig es ist gewisse Regeln einzuhalten, Verantwortung zu übernehmen und trotzdem auch mal loslassen zu können.
Er zeigte mir die Schönheit der Jahreszeiten und wie überflüssig Befindlichkeiten in Anbetracht der großen weiten Natur und Ihrem Kreislauf seien.
Er zeigte mir, dass wir solange mir das Ego im Weg stand keine Erfolge erzielen konnten und manchmal auch dass viel mehr in mir steckte als ich für möglich hielt.
Durch ihn lernte ich mit Konsequenz ans Ziel zu kommen und den Weg als Lehre zu betrachten.
Ich lernte dass Brombeerbüsche schmerzhaft waren , wenn sie sich durch die Hose pieksten und dass wenn ich mich nicht in Brennnesseln setzen wollte besser vor dem Ausritt aufs Klo ginge.
Er lehrte mich, das man sich im Alter gewisse Dinge eher erlauben darf, wenn man es nur klug anstellt und
durch ihn lernte ich letztendlich was es heisst einen Lebensabschnitt voller Erinnerungen und Emotionen loslassen zu müssen.
Dankbarkeit schien die letzte Lehre meines Meisters zu sein.
Dankbar zu sein für all die Erinnerungen, die er mir geschenkt hat und all die Erkenntnisse, die ich durch sein stilles nicht urteilendes Dasein erlangt habe.
Dankbar zu sein unbeschadet Erwachsen geworden zu sein.
Dankbar zu sein für eine unbeschwerte Kindheit. Eine Kindheit mit Pferden.
Mit Krummi.
Danke.